Familie Schinnenburg auf der Baustelle
Die Reportage

Familie Schinnenburg aus Oberursel ist gerade dabei, ein in die Jahre gekommenes Eigenheim hocheffizient zu einem KfW-55-Haus zu sanieren.

„Die Krone der Schöpfung“

Wer saniert, spart auf Dauer Energie und hilft damit, die Energiewende voranzubringen. Familie Schinnenburg aus Oberursel ist gerade dabei, ein in die Jahre gekommenes Eigenheim hocheffizient zu einem KfW-55-Haus zu sanieren. Dementsprechend hoch fallen auch die Fördergelder aus.

Es ist ein Traum, der bald Wirklichkeit wird: Familie Schinnenburg ist im Moment dabei, ein Haus zu sanieren. Im Frühjahr 2021 soll es soweit sein: Dann ziehen Sabine und Oliver Schinnenburg in ihr neues, hocheffizient und mit den modernsten Materialien saniertes 200-Quadratmeter-Wohnparadies. Sie bleiben dabei ihrem Heimatstädtchen Oberursel treu. Auch Sohn Paul richtet sich in dem neuen Haus ein. Die Bienenvölker des jungen Hobbyimkers ziehen mit um und produzieren demnächst in schönster Hanglage feinsten Honig.

Behaglich. Modern. Und umweltfreundlich.

„Ich freue mich auf die Behaglichkeit der neuen Wohnung“, sagt Oliver Schinnenburg. Seine Frau Sabine freut sich auf modernes Ambiente und dass sie mit der Sanierung einen großen Beitrag zum Umweltschutz leisten. Beiden ist es wichtig, dass die Sanierung dafür sorgt, dass sie danach ein sogenanntes KfW-Effizienzhaus-55 ihr Eigen nennen können. Das heißt: ein Gebäude mit extrem niedrigem Energieverbrauch.

Ein KfW-55-Haus benötigt deutlich weniger Energie als ein heutiger Neubau nach dem gesetzlichen Standard des Gebäudeenergiegesetzes. Und ist als Gebäude bereits fit für die Zukunft. Denn um die Klimaschutzziele erreichen zu können, müssen alle Gebäude in Deutschland bis zum Jahr 2050 im Mittel einen Standard ähnlich dem eines KfW-Effizienzhauses-55 erreichen.

Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat diesen Bau- und Sanierungsstandard definiert. Wer ihn erreicht, erhält hohe Fördermittel.

Um solch einen Standard hinzubekommen, muss die gesamte Gebäudehülle umfassend saniert werden. Die verwendete Anlagentechnik sollte möglichst viel erneuerbare Energie nutzen und hocheffizient arbeiten. Oliver Schinnenburg ist Architekt und vom Fach. „Wir wollten für uns selbst einmal das umsetzen, was wir unseren Bauherren in der Beratung immer empfehlen“, erklärt er.

Stolz auf die Brennstoffzelle

Wie man diese Werte erreicht? Beispielsweise mit dreifach verglasten Fenstern, indem man die Außenwand stark dämmt, Dach und Kellerdecke ebenso und eine zentrale Lüftungsanlage mit 80-prozentiger Wärmerückgewinnung einbaut. Was noch? Als Heizung kommt zum Beispiel eine Hybridlösung aus Brennstoffzelle und Gas-Brennwertheizung oder eine Wärmepumpe in Frage. Meist benötigt man all diese Aspekte bei Fenstern, Dämmung und einer Lüftung mit Wärmerückgewinnung, um auf die benötigten Werte zu kommen.

Besonders stolz sind die Schinnenburgs auf ihre Brennstoffzellenheizung. „Da sind wir ganz innovativ angetreten“, schwärmt Oliver Schinnenburg. „Die Heizung erzeugt umweltfreundlich Strom und Wärme.“ Über 13.000 kW Strom produziere sie im Jahr – was eine Photovoltaikanlage überflüssig mache: „Durch die Brennstoffzellenheizung haben wir schon genug Strom“, sagt Schinnenburg. „Unser Gerät ist so modern – es wird auf internationalen Fachmessen bestaunt.“

© Jonas Reuter / wdv

Die Brennstoffzellenheizung ist der ganze Stolz der Schinnenburgs.

„Die KfW übernimmt derzeit von maximal 120.000 Euro Investitionskosten einen Zuschuss von 40 Prozent auf die Kosten, die förderfähig sind und die Energieeffizienz steigern – und damit maximal 48.000 Euro“, sagt Oliver Schinnenburg.

Mit dem neuen, hessischen Sonderprogramm steigt diese Förderung nochmals um 10 Prozent.

Waren die ganzen Formulare nicht nervig? Die Schinnenburgs sind froh darüber gewesen, mit Markus Hohmann einen Energieberater an der Seite zu haben, der sie durch das Dickicht der Datenblätter führte. „Es war angenehm, dass wir das abgeben konnten“, gibt Oliver Schinnenburg zu.

„Die KfW übernimmt derzeit von maximal 120.000 Euro Investitionskosten einen Zuschuss von 40 Prozent auf die Kosten, die förderfähig sind und die Energieeffizienz steigern – und damit maximal 48.000 Euro“

Porträt Oliver Schinnenburg
Oliver SchinnenburgBauherr

Lizenz zum Fördern

Hätte Familie Schinnenburg das auch allein hinbekommen? „Das geht ohne einen Energieberater überhaupt nicht“, erklärt Markus Hohmann. „Man benötigt sogar eine Zulassung dafür, um die Anträge stellen zu können.“ Und die hat er – die Lizenz zum Fördern.

Die Sanierung zum KfW-55-Haus bezeichnet er als die „Krone der Schöpfung“. Eine umfassende Sanierung und nicht nur Einzelmaßnahmen wie zum Beispiel die Wärmedämmung des Daches oder der Einbau neuer Fenster. Einmal alles! Solche Projekte kitzeln seinen Ehrgeiz: energetisch rausholen, was geht.

Das macht die Energieberatung aufwändiger. „Trotzdem ist das bei uns Tagesgeschäft“, sagt er. Nach der Sanierung des Hauses von Familie Schinnenburg bekämen sie Rechnungen zugeschickt, die sie prüfen müssen: „Die KfW hat eine Liste der förderfähigen Maßnahmen“, sagt er, „und wir müssen am Ende überprüfen, was wirklich förderfähig ist.“ Damit werde er drei Tage gut zu tun haben.

Das heißt im Klartext: Vor dem Sanieren wird gerechnet und mit Materialwerten und Anlagentechnik jongliert, damit man die von der KfW geforderten Werte möglichst wirtschaftlich erreicht. Wie stark muss die Fassadendämmung sein? Muss Photovoltaik zum Einsatz kommen? Was für Fenster müssen angeschafft und eingebaut werden?

„Und dann ändert sich etwas während der Bauzeit“, sagt Markus Hohmann, „und man muss wieder rechnen.“

„Eigentlich hatten die Schinnenburgs zum Beispiel Hanf als Fassadendämmstoff gewünscht, jetzt ist es Steinwolle geworden“, berichtet Hohmann – in diesem Fall das beste Material, schätzt der Experte. Und das sowohl, was die Kosten betrifft, als auch, was Brandschutz und die Ökologie anbelangt. So konnten sie den KfW-55-Standard erreichen.

Denn fernab der modernen Optik ist Familie Schinnenburg das Energiesparen und damit auch die Umweltfreundlichkeit der wichtigste Grund für die Sanierung gewesen: „Wir wollen so nachhaltig wie möglich leben“, erklärt Sabine Schinnenburg.

Bald ist es soweit und die Schinnenburgs können ihr neues Zuhause beziehen. Mit der Sanierung liegen sie in den „vorletzten Zügen“, wie Sabine Schinneburg berichtet: „Das Haus wird jeden Tag echter.“ 

TILL FROMMANN

Die LEA hilft beim Sanieren

„Sanieren schützt das Klima, steigert die Behaglichkeit, den Immobilienwert und senkt den Energieverbrauch“, sagt Alexander Schmidt. Er ist Projektkoordinator bei der LandesEnergieAgentur Hessen (LEA).

Ziel sei es, 2050 in Hessen klimaneutral im Gebäudebestand zu sein. „Sanieren ist ein Teil, der dazu beiträgt“, erklärt Schmidt. Die LEA vermittelt erste kostenlose Energieimpulsberatungen, mit denen Interessierte einen Eindruck bekommen, was alles an Sanierungen möglich ist und welche Förderungsmöglichkeiten sich bieten.

Fernab von KfW-Förderprogrammen bietet die LEA außerdem eine Link zur LEA-Fördermittelauskunft. an. Dort können sich Sanierungswillige auch über landesweite und regionale Förderprogramme informieren.

Können wir Ihnen weiterhelfen?

Wenn Sie Fragen zu unseren Angeboten haben, melden Sie sich einfach. Sie erreichen uns werktäglich zwischen 9 und 16 Uhr. Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Alexander Schmidt

Alexander Schmidt